Am 16. Juni 1996 wurde in Frankfurt die Gedenkstätte Neuer Börneplatz eingeweiht, die in der östlichen Innenstadt situiert ist – zwischen dem Alten Jüdischen Friedhof an der Battonnstraße und der Rechneigrabenstraße. Sie erinnert an Frauen, Männer und Kinder, die als Juden ermordet wurden.
Geschichte des Orts
Vor der nationalsozialistischen Machtübernahme befanden sich hier der verkehrsreiche Börneplatz, der auch als Marktplatz genutzt wurde, die Börneplatzsynagoge sowie das Krankenhaus der Israelitischen Krankenkassen. Als die Stadt Frankfurt 1985 beschloss, an diesem historischen Ort ein Verwaltungsgebäude zu errichten, regte die Jüdische Gemeinde Frankfurt den Bau einer Gedenkstätte in unmittelbarer Nachbarschaft an. Angesichts des archäologischen Fundes von insgesamt 19 Häusern der frühneuzeitlichen Judengasse, die während der Bauarbeiten 1987 gemacht wurden, kam es zu massiven zivilgesellschaftlichen Protesten, dem so genannten Börneplatzkonflikt. Infolge dieses Konflikts wurde sowohl das Konzept für die Gedenkstätte überarbeitet wie auch die Einrichtung des Museums Judengasse als Dependance des Jüdischen Museums beschlossen.
Elemente der Gedenkstätte
Die Gedenkstätte Neuer Börneplatz basiert auf einem Entwurf der Architekt:innen Andrea Wandel, Wolfgang Lorch und Nikolaus Hirsch und umfasst mehrere Elemente: einen Platanenhain, in dessen Zentrum sich ein Kubus aus Steinen befindet, die beim Bau des benachbarten Verwaltungsgebäudes freigelegt wurden und ehemaligen Häusern der Judengase entstammen. An der Rechneigrabenstraße sind mehrere Straßenschilder in Szene gesetzt, die an die verschiedenen Namen des Ortes (Judenmarkt, Börneplatz, Dominikanerplatz, Neuer Börneplatz) erinnern. Ein asphaltierter Grundriss inmitten der Schottersteine am Boden der Gedenkstätte erinnert an die Börneplatzsynagoge, eine Gedenkplakette an deren Zerstörung im Novemberpogrom 1938.
Erinnerung an die Ermordeten
Das zentrale Element der Gedenkstätte bildet ein Fries auf der äußeren Friedhofsmauer mit heute 11.908 metallenen Blöcken, die an die ermordeten Frauen, Männer und Kinder erinnern, die in Frankfurt gelebt hatten, in der Stadt geboren und von hier deportiert wurden. Jedem einzelnen als Jude ermordeten Menschen wird mit Name, Geburtsjahr sowie, wenn bekannt, mit Todesjahr und -ort gedacht. Der Fries der Gedenkstätte ist auch ein Friedhof: Angehörige sowie Besucherinnen und Besucher können auf den Blöcken gemäß jüdischem Trauerritus wie auf Grabstätten kleine Steine ablegen.